Die Frage ist immer, was man selbst will
.... und was eben nicht. Als Mutter und/oder Vater kommt man um die Authentizität nicht herum. Es bringt absolut nichts irgendwelchen Idealvorstellungen nachzulaufen, die einem selbst vielleicht gar nicht entsprechen von denen man aber glaubt, sie nicht brechen oder umgehen zu können. Im Endeffekt wird es sich immer auf die Beziehung zum Kind auswirken.
Seit dem letzten monatlichen Treffen -in dem das Thema "keine Zeichen und Windelfreiheit in Kombination mit Windeln" wieder ein großes Thema war, ist mir einmal mehr klar geworden, wie wichtig es ist nicht immer nur das Kind zu betrachten sondern die Gesamtheit der Beziehung zueinander. Was soviel heißt wie, die eigenen Gefühle sowie die Gefühle des Kindes ebenso zu sehen und anzuerkennen. Um hier ein wenig Einblick zu geben und zum Nachdenken anzuregen:
Zum Einen sind da die Selbstzweifel, die dermaßen dominieren können, das es schwierig wird, eine vertrauensvolle Beziehung zu schaffen. Wie bereits öfters geschrieben muss eine Sicherheit gebende Umgebung vorhanden sein, damit das Baby oder Kleinkind entspannen kann. Wer selbst an sich zweifelt, am Umgang mit dem Baby/Kleinkind oder generell, muss in einer solche sensiblen Beziehung wie jener zwischen Mutter und Kind damit rechnen, das die Kommunikation (egal ob über das Ausscheidungsbedürfnis oder etwas anderes) mehr oder weniger schwierig wird. Erschwert wird dieser Umstand durch dir Tatsache, das ältere Babys und Kleinkinder ihre Selbstständigkeit und ihre Fähigkeit "Nein" zu sagen bzw. Entscheidungen/Handlungen/Umstände zu beeinflussen entdecken und diese auch ausprobieren.
Zum Anderen ist da vielleicht aber auch das intensive Gefühl, mehr Zeit für sich selbst zu brauchen oder perfekt sein zu müssen, vielleicht auch die Ablehnung gegen nasse Hosen oder die Angst, das es eben zu nassen Hosen kommen kann, die dazu führt, das es für die Eltern recht "praktisch" ist, Windeln zu verwenden und somit sich selbst eine "Atempause" zu verschaffen. Alles "legitim", wenn überhaupt ein Urteil darüber abgegeben werden muss. Dieser Umstand lässt sich auch ganz neutral hinnehmen, allerdings komme ich nicht umhin daran zu erinnern, das diese "Atempause" nicht ohne Auswirkungen bleiben wird, sofern in dieser nicht auf die Bedürfnisse des Babys eingegangen wird. (Abgesehen davon das es bei Windeln schwierig zu erkennen ist, wann überhaupt ein Bedürfnis vorhanden ist)
Wie sich in der Praxis gezeigt hat, reagieren Babys und Kleinkinder recht schnell darauf, wenn sich etwas verändert (sowohl in die eine, als auch die andere Richtung). Das ein gewickeltes Baby und Kleinkind, auf dessen Ausscheidungsbedürfnis nur sehr sporadisch eingangen wird, sich dann ebenso wenig meldet wenn es muss oder sich gar dagegen wehrt, wenn man mit ihm zum Klo gehen oder es über das Töpfchen halten möchte, muss als logische Konsequenz betrachtet und auch angenommen werden. Im Endeffekt kommt man als Mutter oder Vater nicht drum herum sich die Frage zu stellen, "was man will" und danach zu handeln, wenn diese beantwortet ist.
Windelfreiheit ist keine moderne Methode, kein Trend oder etwas, dem man sich verpflichtet fühlen muss. Es ist die wunderbare Möglichkeit mit einem Baby und Kleinkind zu kommunizieren, auf seine Bedürfnisse einzugehen und da zu sein. Es ist etwas, das "da" ist, was viele Wege offen lässt und nicht etwas, das erst als Modetrend "erschaffen" werden muss. Es ist aber ebenso etwas, worüber man selbst entscheiden kann, ob man das möchte oder eben nicht.
Und zu guter Letzt, um einmal mehr auf die Frage nach den "Zeichen" einzugehen: Vielleicht muss der Blickwinkel verändert werden. Denn auch ein "Nein" sagendes Baby, setzt ein Zeichen. Nicht zu kommunizieren geht nicht. Die Frage ist eher, welches fixe Bild von sogenannten "Zeichen" wir in unserem Kopf haben oder wie wir uns selbst ständig aufs Neue blockieren durch den Druck der Perfektion den wir uns selbst auferlegen.
