Nur nicht autoritär!!!!
Zwischen Authentizität und Autorität bestehen Welten. Wer authentisch ist, ist nicht gleich autoritär seinem Kind gegenüber. Diese Annahme (wer authentisch ist ist autoritär) ist einfach Humbug. Ich möchte in diesem Eintrag auf die vielen unzähligen Anfragen eingehen, die immer wieder bei mir eintrudeln ob es denn für das Kind nicht schädlich wäre, wenn man ihm sagt, das einen dieses oder jenes stört, wenn man seine Gefühle einfach ehrlich zum Ausdruck bringt.
Eines vorweg, solange dies in angemessener Art und Weise geschieht, dann ist es keinesfalls schädlich für das Kind. Gerade in der Windelfreiheit besteht die (zumeist berechtigte) Angst, das Kind im Bezug auf sein Ausscheidungsbedürfnis in irgendeiner Art und Weise zu schädigen. Nur ja nichts sagen und immer lieb lächeln scheint hier (wie in vielen anderen Bereichen des Umgangs mit Kindern) die Devise zu sein. Nur, das dieser Umgang sich nicht rentiert, er zahlt sich schlicht und einfach nicht aus. Denn ebenso wenig wie die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes verschwinden, wenn sie ignoriert werden, ist das bei den Eltern der Fall. Einem Kind die eigentlichen Gefühle vorzuenthalten, bringt absolut nichts. Abgesehen davon, das das Kind die eigentlichen Gefühle der Eltern immer spürt, werden diese, wenn sie nicht ausgesprochen und unterdrückt werden nicht weniger sondern nur noch mehr. Die Spannungen zwischen dem Kind und den Eltern dadruch immer größer und die Beziehung zueinander immer schwieriger.
Ein Kleinkind probiert aus, versucht durch Erfahrungen seinen Platz in der Gemeinschaft/Familie zu finden. Es alles tun und machen zu lassen, nur um seiner Freiheit willen, auch wenn es einem selbst dabei alle Haare aufstellt und die Wut im Bauch anwachsen lässt, bringt nur den Erfolg, das das Kind merkt es kann tun und machen was es will, die Eltern, ihre Grenzen, werden einfach nicht greifbar.
Einem Kind die eigenen Gefühle mitzuteilen, ihm ehrlich und authentisch gegenüber zu treten ist zum Einen das Recht des Kindes, zum Anderen ein wichtiger Aspekt im respektvollen Umgang miteinander. Dabei geht es nicht um Anschuldigugen oder gar Strafen in irgendeiner Art und Weise, sondern um das schlichte mitteilen der eigenen Gefühle, in Sätzen, die das "ich fühle so" hervorheben.
Wenn man also will, das das Bücherregal nicht ausgeräumt wird, so muss man das dem Kind sagen - und nein, immer weiter nach oben schlichten hat gar keinen Sinn, so hoch, das es das Kind nicht doch irgendwann erreichen würde, sind die Räume dann doch nicht. Und wenn man will, das der Küchentisch nicht zu Labor für Wasserexperimente verkommt (wie viel Essen passt in mein Saftglas und wenn ich das dann zurück in mein Teller schütte ...) dann kommt man einfach nicht umhin das dem Kind in respektvoller und liebevoller Art zu sagen und ihm andere Möglichkeiten zu bieten, wo diesem Drang nachgekommen werden kann. Was das alles mit der Windelfreiheit zu tun hat? Den Umstand, das Eltern ihrem windelfreien Kleinkind sagen, was für sie wichtig ist. Das sie ihm ihre Gefühle mitteilen, nach dem Motto: Ich freue mich, das du Lulu in den Topf gemacht hast. Ich möchte, das du mir sagst, wenn du Lulu oder Kaka musst. Und wenn es die Mutter wirklich schon stört und ermüdet, das es an dem Tag zum x-ten Male daneben gegangen ist, auch dann sollte sie das ihrem Kind in der Art mitteilen. Das Kind erleidet absolut keinen Schaden durch diese "Ich"-Botschaften die ihm da mitgeteilt werden. (Sollte es wirklich so sein, das in einer schwierigen Phase ständig etwas daneben geht ist es oftmals besser, sich eine Auszeit (in Form von Trainerhöschen, Unterhosen mit Stoffwindel drinnen oder auch mal einer Windel) zu nehmen um wieder besser loslassen zu können - das nur am Rande erwähnt.
Und nein, das kostet nicht unendlich viel Zeit, die Authentizität und der ehrliche Umgang mit dem Kind und er ist auch nicht unendlich kompliziert. Authentizität und Kompetenz erleichtern das Leben ungemein und die Zeit, die man jetzt "investiert" bekommt man später in Form von Selbstständigkeit und einer intensiven, angenehmen, liebevollen und respektvollen Beziehung zurück.
